| Oli`s lustige Sach- und Lachgeschichten | |
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Hallo Blaues Volk, letztens hatte ich in Frankfurt beim Einkaufen ein beeindruckendes antifaschistisches Erlebnis. Ich schlenderte etwas orientierungslos über den Marktplatz, als aus einem anliegenden Fischgeschäft ein großer Jeansmann mittleren Alters heraustrat. Auf dem Kopf etwas, das zweifellos einer Tonsur nicht unähnlich war, unter dem T-Shirt etwas, das man beschönigend als Bierwampe bezeichnen könnte. Dazu einen blauen Blouson. Egal, man soll Menschen ja nicht nach ihrem Äußeren beurteilen. In der linken Hand hatte er ein gemeines, aber frisches Fischbrötchen, das er bereits im Moment des Verlassens des ehrwürdigen Geschäftes gen Himmel reckte, um es sogleich mit seiner Rechten permanent und ohne Unterlass abzuwatschen, um nicht zu sagen darauf einzudreschen. Unverzüglich begann er es zu beschimpfen: „Die Hitlersau! Die Nazisau! Die Hitlersau!!!“ Woraufhin er den Übeltäter dem erstaunten Volk präsentierte. „Wow,“ dachte ich, „ein Nazijäger! Geil!“ Stolz schwadronierte er mal in diese, mal in jene Richtung über den Marktplatz. Unaufhörlich zeigte er der Meute den Übeltäter und bedachte ihn immer wieder mit den Worten „Die Nazisau! Die Hitlersau! Die Nazisau!“ Beeindruckend mit welcher Vehemenz er sich ins Zeug legte. Das Fischbrötchen, das er sich ursprünglich hoffentlich zum Verzehr gekauft hatte, sah schon bald ziemlich mitgenommen und unappetitlich aus. Ich hatte genug gesehen und während er schließlich den Marktplatz in die eine Richtung verließ, natürlich unter dem lieb gewonnenen Gezeter, machte ich mich in die andere Richtung vom Acker. In der Gewissheit, dass es doch noch gute Menschen auf dieser Welt gibt. Außerdem war ich froh, dass er nicht auf Sätze wie „Ich mach dich Messer“ oder „Ich weiß, wo dein Haus wohnt“, wie sie ja bei vielen jugendlichen Nazijägern seit einiger Zeit beliebt sind, zurück griff, sondern sich kurz und prägnant ausdrückte. Ansonsten hätte ich an seiner Integrität zweifeln müssen. In der Spätvorstellung habe ich mir dann den Film „Americam Hardcore“, eine Doku über Hardcore-Punk Anfang der 80er in den USA, angeschaut. Zum Runterkommen kehrte ich dann noch im „Schlippche“ ein. Die Eckkneipe machte mich bereits seit einem halben Jahr neugierig, den vor ihren Toren steht unglaublich viel Kitsch und die Erzählungen eines Bekannten versprachen einiges. Nachdem ich unschlüssig drei Mal vorbei gelaufen war, aber auch genau so oft wieder zurück kam, trat ich doch in die ehrwürdigen Hallen ein. Die durch das Fenster aufgeführten Tanzdarbietungen im Country-Style waren zu verführerisch. Drinnen saßen an einem kleinen Tisch fünf Übriggebliebene einer Cowboy-Geburtstagsfeier. Bei Pils, Kartoffelsalat und mit der polnischen Wirtin unterhielten sie sich mehr schlecht als recht. An der lackierten Holztheke saßen zwei geschmacklos angezogene Herren, sichtlich angeschlagen, die sich über Fußball und vor allem Beziehungsprobleme unterhielten. Hier war ich richtig. Ich gesellte mich in gebührendem Abstand dazu und beobachtete das Geschehen. Auch der Raum war voller Kitsch; Gartenzwerge, Keramikenten, Bücher, zwei Aquarien mit Zierfischen, die Wände von der Polnerin eigenhändig mit Bauschaum drapiert und bunt angemalt, mitten im Raum eine senkrecht stehende Kunstbirke, die an der Decke ihre Äste ausbreitete. Zum zweiten Mal an diesem Tag dachte ich „Wow!“ Ich brauchte unbedingt ein Bier. Erst jetzt fiel mein Blick auf Dietmar, den Wirt. Selbstverständlich machte ich mich sofort mit ihm bekannt. Dietmar ist ein Leptosom. Wenn er seitlich zu einem steht, sieht man in nicht. Wenn er frontal zu einem steht, sieht man ihn kaum. Außerdem scheint er auf Valium zu sein. Seinen Bewegungen nach zu urteilen. Ich habe noch nie jemanden zu langsam und teilnahmslos Bier zapfen sehen. Zum Einschenken aus Flaschen benutzte er grundsätzliche beide Hände. Mit rechts kippte er die fragliche Flasche, mit dem linken Zeigefinger hielt er ihren Hals vorsichtig auf die richtige Glashöhe. Trotzdem bewies er das Augenmaß einer Blindschleiche. Naja, egal. Ich genoss die computergesteuerte Country-Mucke, die Szenerie, Menschen mit bedrohlichen T-Shirts mit Aufdrucken wie Harley-Davidson-Gang Limburg und unterhielt mich blendend mit Dietmar. Irgendwann fiel ich dann fast vom Hocker und ging zufrieden nach Hause. Was für ein Tag! Wer mich mal in Frankfurt besuchen will: Ein Besuch im Schlippche ist fester Bestandteil des Programms. Moderate Preise übrigens und man kann auch gut bürgerlich auf Deutsch und auf Polnisch essen. Frankfurt ist einfach eine schöne Stadt, in der es immer was zu erleben gibt. Zu erleben gibt es aber auch was im BLAU. Und zwar in nächster Zeit Folgendes: Heute, am Freitag, den 16.03.2007, ist für Euch The Kochroach-Connection am Start der Turntables. Auf dem Programm stehen dann Surf, Punk und Power-Rock. Wenn ich nicht mal wieder unbedingt ins Schlippche gehen müsste, wäre das mein erster Anlaufpunkt. Aber ich bin mir sicher, dass die Kochroach-Connection auch ohne mein Beiwohnen, die Blauen Kakerlaken wieder ordentlich rocken wird. Wer sich heute als Insekt verkleidet und auch als solches zu erkennen ist, bekommt einen Kammerjägermeister gratis in den Rüssel. Bringt Autan! Am Samstag, den 17.03.2007 ist DJ T.Malik mit seinem Psychedelic Swamp an den Blauen Plattentellern zu Gange. Drei Mal dürft Ihr raten, was er uns bringt. Okay, alte BLAU-Hasen können es etwa einschätzen: Garage, Beat, Punk und Psychedelia. Frei nach dem beliebten Motto „Never change a winning team“. Für alle, die es immer noch nicht kapiert haben: T.Malik kann nicht nur super Tennis spielen, sondern auch beim Auflegen ist er ein Top-Server. Bringt Balljungen und -mädchen! Dann ist DJ-mäßig erstmal Verschnaufpause bis Donnerstag, den 22.03.2007. Electronixx In The Mixx steht dann eingemeißelt wie die vier US-Präsidenten im Mount Rushmore auf dem Blauen Programm. George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln legen dann zusammen mit Lulu Gun House auf. Klar wie Kloßbrühe, dass sich die Kollegen aus dem Weißen Haus endlich auch mal die Ehre geben. Und am Freitag, den 23.03.2007 ist dann auch schon wieder DJ Basementized im Blauen Keller an die Anlage angekettet und liefert mottofrei Punk’n’Roll und Power-Rock in die Gehörgänge. Die Flaschen sind bereits eingelagert. Jetzt müsst Ihr nur noch kommen und die Kellergeister befreien. Seid Kellerkinder! Das habt Ihr Euch verdient! A propos verdient: Ich mach jetzt Feierabend. Gehabt Euch wohl, wir sehen uns im Schankraum unseres Vertrauens. Liebe Grüße von |